Liebe Leser*innen,
in diesem Herbst gibt es nicht nur buntes Laub zu bestaunen, bei uns gibt es auch reichlich zu ernten: neue Impulse, Ideen und Perspektiven. Von unserer Webinarreihe zu Boden als öffentlicher Infrastruktur über den Start der Artikelreihe Voices in Transition bis hin zur neuen #econ4future-Debattenreihe mit Blick auf Fragen sozialer Sicherheit. Außerdem geben wir Einblicke in unser Team-Retreat im Waldschlösschen, präsentieren neue Forschungs-Highlights und stellen spannende Veranstaltungen im November vor.
Viel Freude beim Lesen und Mitwirken – gemeinsam denken wir Wirtschaft weiter 🌍
Euer Newsletter-Team
Darum geht’s diesmal:
- Econ4Future wirkt: Webinarreihe zu Boden als öffentliche Infrastruktur | Neue Artikelreihe: Voices in Transition | Neue Ausgabe: #econ4future-Debattenreihe | Spotlight: Unsere Reise geht weiter – komm an Bord!
- Forschung & Debatte: Bericht: Plurale Sommerakademie 2025 | Ist das WiWi-Studium fit für das 21. Jahrhundert? | Was heißt eigentlich Plurale Ökonomik heute? | Update: Donut Ökonomie | Lese- & zwei Veranstaltungstipps
- Termine
✨ ECON4FUTURE WIRKT ✨
Was geht ab bei Econ4Future? Wohin führt die Reise? Was haben wir bewirkt? Hier gibt es Einblicke in unsere Vereinswelt, Projekte und laufende oder abgeschlossene Prozesse.
🗓️ Webinarreihe: Boden als öffentliche Infrastruktur |
Die Online-Vortragsreihe ist am 16. Oktober erfolgreich gestartet. Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Kommunalverwaltungen, Zivilgesellschaft, Politik, Architektur- und Planungsbüros sowie aus Umwelt- und Klimaschutzorganisationen waren beim Auftakt dabei. Wir veranstalten diese Reihe zusammen mit dem Norbert Elias Center for Transformation Design & Research (Europa-Universität Flensburg), dem Kompetenzzentrum Alltagsökonomie und dem Forschungsbereich Finanzwissenschaft & Infrastrukturpolitik (TU Wien).
Mit der Reihe wollen wir den Blick auf Boden als zentrale, aber oft übersehene Grundlage von Leben und Wirtschaften richten. In Zeiten wachsender Nutzungskonflikte – etwa zwischen Wohnen, Energiewende, Landwirtschaft und Naturschutz – stellen wir die Frage, wie eine gerechte und nachhaltige Bodennutzung gestaltet werden kann. Die Impulse beleuchten Aspekte von Boden als Gemeingut und innovative Modelle einer nachhaltigen Bodenpolitik. Darüber hinaus werden Wege hin zu einer Flächenkreislaufwirtschaft und zu einer suffizienzorientierten Stadtentwicklung erkundet.
📍 Online-Veranstaltungen per ZOOM
👉 Nächste Veranstaltungen am 06.11. / 13.11. / 27.11. – jeweils von 13-15 Uhr
🌍 Voices in Transition – Neue Artikelreihe gestartet |
Im September haben wir gemeinsam mit Rethinking Economics und Economists for Future International unsere neue Reihe „Voices in Transition“ gestartet. Die Reihe soll Stimmen aus Wissenschaft, Journalismus und Praxis des Globalen Südens im europäischen Transformationsdiskurs sichtbarer machen.
- Den Auftakt macht Dr. Lebohang Liepollo Pheko (Tradecollective, Johannesburg) mit einer Kritik am BIP-Zentrismus der Entwicklungspolitik – und der Frage, wie eine echte Wohlstandsökonomie aussehen könnte. Zum Artikel.
- Im zweiten Beitrag diskutiert Prof. Eduardo Gudynas (CLAES/CEDIB, Uruguay/Bolivien), wie der Begriff „Transition“ eurozentrisch verengt ist – und warum die Lösung von sozial-ökologischen Problemstellungen ohne indigene Perspektiven und eine Abkehr vom Extraktivismus nicht gelingen kann. Zum Artikel.
- Im neuesten Beitrag analysiert Jenni Raji Jayan (Universität Kassel) die Folgen des EU-Carbon-Border-Adjustment-Mechanism (CBAM) für eine “grüne Industrielle Transformation” in Ländern außerhalb der EU. Am Beispiel von der industriell geprägten Region Odisha in Indien zeigt sie, wie Klimapolitik zu „Green Protectionism“werden kann, der globale Ungleichheiten bekräftigt, wenn Technologie- und Finanztransfers fehlen – und plädiert für eine gerechtere, solidarische globale Klimakooperation. Zum Artikel.
Hinweis: Alle Texte werden noch ins Deutsche übersetzt und erscheinen bald auch noch auf unserer E4F-Webseite.
Stay tuned! 💡 Teilt den Aufruf in eurem Netzwerk und über eure Kanäle!
Wir möchten die Reihe fortsetzen und suchen weitere Perspektiven aus dem Globalen Süden auf den Diskurs der Klimapolitik – insb. von Studierenden und Nachwuchsforschenden.
🧨Debattenreihe: Soziale Sicherheit im Spannungsfeld von Klimakrise & wirtschaftlicher Transformation |
Unsere neue Ausgabe der Debattenreihe #econ4future widmet sich der Frage, was es aus ökonomischer Perspektive braucht, um sozialer Spaltung sowie dem Erstarken autoritärer Tendenzen entgegenzuwirken – und wie Wohlfahrtsstaat, Eigentumsrechte/Verhältnisse und Versorgungssysteme so gestaltet werden können, dass demokratischer Zusammenhalt, ökologische Stabilität und ökonomische Resilienz gestärkt werden.
Die Beiträge beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven – von Klimasozialpolitik über Renten- und Gesundheitspolitik bis zu kommunalen Finanzen, Eigentumsfragen und der Rolle des Staates in der Transformation.
Start am 10. November! Danach erscheint bis Februar 2026 wöchentlich ein neuer Beitrag – wie gewohnt in Kooperation mit dem Online-Magazin Makronom.
📢 SPOTLIGHT: Unsere Reise geht weiter – komm an Bord! |
Im Oktober hat sich ein Teil unseres E4F-Teams zu einem intensiven Retreat im Waldschlösschen bei Göttingen getroffen – ein Ort voller Ruhe, Reflexion und neuer Ideen. Neben gemeinsamen Spaziergängen und Austausch standen zentrale Fragen im Mittelpunkt: Wie wollen wir uns als gemeinnütziger Verein weiterentwickeln? Was ist unser gemeinsamer Kern – und welche Formate helfen uns, diesen zu stärken?
In kleinen Gruppen haben wir Formate entworfen, um künftig mehr Austausch und kollektives Lernen zu ermöglichen – von inhaltlichen Inputs und Diskussionsrunden bis hin zu Reflexionsrunden über unsere Vision und Rolle als Economists for Future. Außerdem haben wir konkrete Pläne für Fundraising und Teamstrukturen geschärft, um unsere Arbeit langfristig tragfähig zu gestalten.
💡 Ausblick: Im kommenden Jahr möchten wir unsere Strukturen professionalisieren und suchen Wege, mindestens eine hauptamtliche Stelle zu finanzieren, um unsere wachsende Arbeit nachhaltig abzusichern. Mehr Infos dazu folgen bald – wir freuen uns, wenn ihr uns dabei unterstützt und diesen Weg gemeinsam mit uns geht.
🤝 Unterstütze unsere Arbeit: Jeder Beitrag stärkt unsere Projekte, Vernetzung und die organisationelle Weiterentwicklung. Jetzt Spenden!
📣 Werde bei Economists for Future aktiv: Wir freuen uns über motivierte und neugierige Menschen, die mit uns gemeinsam Economists for Future als Stimme im wirtschaftspolitischen Diskurs etablieren. Mach mit!
📚 FORSCHUNG UND DEBATTE 📚
Hier stellen wir Euch ausgewählte Publikationen aus Forschung und wirtschaftspolitischen Debatte vor.
📄 Bericht: Plurale Sommerakademie 2025 |
Neben einem Workshop zu Economists for the Future nahm Senta an der Pluralen Sommerakademie (PLUSA) teil – hier ihr persönlicher Bericht: Eine Woche lang hatte ich zusammen mit anderen Studierenden und jungen Menschen die Möglichkeit, spannende Workshops zu Themen wie demokratischer Wirtschaftsplanung, feministischer Fiskalpolitik, Wirtschaftsjournalismus, postkolonialer Theorie, sozio-ökologischer Arbeitsmarktpolitik, Postwachstum und vielem mehr zu besuchen. Die Workshops wurden von Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis gestaltet.
Die Sommerakademie fand in den wunderschönen Räumlichkeiten der Alten Nudelfabrik in Zeitz in der Nähe von Leipzig statt. Dieser Standort ermöglichte es, das Thema Strukturwandel in der sozio-ökologischen Transformation mit einer Wanderung zum Braunkohletagebau, begleitet von Podcasts, auf besondere Weise erfahrbar zu machen. Zudem bot die Akademie die Möglichkeit, zahlreiche plurale und kritische wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge kennenzulernen, sich mit Dozierenden und Studierenden zu vernetzen sowie Erfahrungsberichte einzuholen. Besonders war für mich zum einen das tolle Programm, das mir erste Impulse und vertiefende Inputs zu Themen ermöglichte, mit denen ich mich schon immer einmal beschäftigen wollte. Andererseits waren es die schönen Gespräche mit inspirierenden Menschen, die ich kennenlernen durfte.
Seid nächstes Jahr dabei!
🎓 Ist das WiWi-Studium fit für das 21. Jahrhundert? |
Ein Blick nach Großbritannien zeigt, dass der Reformbedarf in der ökonomischen Ausbildung keineswegs ein deutsches Phänomen ist. Der UK National Report von Rethinking Economics hatte vor einem Jahr ein ernüchterndes Fazit gezogen: Die Klimakrise und sozio-ökologische Fragen fehlen weitgehend in den ökonomischen Curricula. Rund 75 % der britischen Universitäten lehrten keine Ökologische Ökonomik, und von 480 bewerteten Theoriemodulen enthalten 88,3 % neoklassisches Mainstream-Denken, das auf rationalen, eigennützigen Individuen basiert – vermittelt fast ausschließlich durch quantitative Methoden. In seinem Kommentar in der Financial Times warnt Ha-Joon Chang, dass wir zukünftige Ökonom:innen erneut zum Scheitern ausbilden.
➡️ Zum Bericht | Kommentar von Ha-Joon Chang
💡 Rethinking Economics ruft Studierende weltweit auf, eigene Curriculum Health Checks durchzuführen – auch in Deutschland, Dänemark, Südafrika und Norwegen laufen demnach bereits entsprechende Initiativen.
🧭 Was heißt eigentlich Plurale Ökonomik heute? |
Seit über zehn Jahren ist Plurale Ökonomik im deutschsprachigen Raum präsent – inzwischen mit eigenen Professuren, Studiengängen und Instituten. Doch was genau darunter zu verstehen ist, bleibt bis heute umstritten.
In seinem neuen Grundlagenartikel formuliert Florian Rommel (Hochschule für Gesellschaftsgestaltung) den Begriff als „neuen Horizont“, der das gesamte Spektrum ökonomischen Denkens und Handelns sichtbar macht. Er plädiert dafür, Pluralität nicht als Gegenentwurf, sondern als Rahmen für methodische Vielfalt zu verstehen – und damit einen Schritt weiterzugehen in der Frage, was Wirtschaftswissenschaft im 21. Jahrhundert sein kann.
➡️ Zum Artikel
🌍 Donut Ökonomie: Neue Tools & frische Daten! |
Zwei spannende Neuigkeiten gibt es aus dem Doughnut Economics Action Lab (DEAL): Anfang Oktober wurde die neueste Version des Donat-Ansatzes vorgestellt – die größte Weiterentwicklung seit seiner Erstveröffentlichung vor 13 Jahren.
➡️ Artikel in Nature | The Evolving Doughnut | DEAL-Webseite
Die wichtigsten Neuerungen:
- Vom Modell zum Monitor: Aus der Momentaufnahme wird ein jährlicher Indikator für globale soziale und ökologische Trends (2000–2022, künftig jährlich aktualisiert)
- Neue Visualisierungen & Daten: Deutlich wird, dass sich das BIP der Weltwirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt hat, viele globale soziale Defizite jedoch (zu langsam) abgebaut wurden, während sich ökologische Krisen weiter verschärft haben. Mit der neuen Analyse wird zudem die doppelte Ungleichheit klarer sichtbar – ökologische Übernutzung in reichen Ländern und soziale Belastungen in ärmeren Regionen
📖 Lesetipp: Buch “Stadt – Land – Boden” |
Bodenpolitische Fragen entscheiden über Erhalt oder Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Der Sammelband “Stadt – Land – Boden” stellt die Frage nach verbindenden Bodenbeziehungen zwischen Land und Stadt und wie diese zu gerechterer Verteilung, demokratischer Verwaltung und nachhaltiger Nutzung führen können.
➡️ Zum Buch (Open Access)
📌 Zwei Veranstaltungstipps: |
📅 Tagung über Gegenwartsperspektiven der Sozialökonomik
Wie kann Sozialökonomik heute Orientierung bieten – zwischen ökologischer Transformation, sozialer Spaltung und gesellschaftlicher Polarisierung? Unter dem Titel „Spaltung hat Tradition, aber keine Zukunft“ diskutieren Forschende und Praktiker:innen über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven einer pluralen Sozialökonomik.
19. November, 19:00 Uhr | Abendveranstaltung: Sozial. Ökonomisch. Ökologisch. Thüringer Sozialwissenschaft gestalten. Mit Klaus Dörre (Universität Jena/Kassel),
📍 Rathaus Erfurt. Infos & Anmeldung.
20. November, ab 09:30 Uhr | Fachtag: Spaltung hat Tradition, aber keine Zukunft. Gegenwartsperspektiven der Sozialökonomik. Mit Achim Truger (Sachverständigenrat/Uni Duisburg-Essen), Gertraude Mikl-Horke (em. WU Wien), Stephan Kaufmann (Journalist) und Traugott Jähnichen (Uni Bochum) u.v.m.
📍 Neudietendorf (bei Erfurt). Infos & Anmeldung.
📅 27.-30.11. | Tagung über militarisierte Märkte, demilitarisierte Zukunft?
Wie hängen Wirtschaft, Rüstung und Sicherheitspolitik zusammen – und wie kann eine friedliche, demilitarisierte Zukunft aussehen? Unter dem Titel „Militarisierte Märkte, demilitarisierte Zukunft? Zur Politischen Ökonomie der Kriegswirtschaft“ lädt das Netzwerk Plurale Ökonomik Ende November zur Community-Tagung ein.Gemeinsam sollen die ökonomischen Dimensionen von Krieg und Frieden kritisch beleuchtet werden – von Rüstungslogiken und Sicherheitsnarrativen bis hin zu globalen Machtverhältnissen. Neben den inhaltlichen Workshops bietet die Tagung auch Raum für Vernetzung, Austausch und Socialising.
📍 Halle (Saale). Jetzt anmelden – bis 9. November!
TERMINE UND VERANSTALTUNGSTIPPS |
||||||
|